Homeoffice Training? Homeoffice Training!

Die Corona-Pandemie hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Um den BlackRock-CEO Larry Fink zu zitieren: «Companies expected workers to come to the office five days a week. That world is gone.»

Autor
Cyrill Locher
Lesedauer
3 Minuten
Thema
Homeoffice

Partielles Arbeiten von zu Hause aus ist für alle Mitarbeitenden mit Änderungen und Umstellungen verbunden – egal, ob Teammitglied oder Führungsperson. Diese gilt es sich bewusst zu machen. Zu diesem Zweck haben wir im Sommer 2021 für ein bekanntes Industrieunternehmen aus der MedTech-Branche zwei Online-Trainings entwickelt.

  • Im ersten Modul liegt der Fokus einerseits auf den in der Firma geltenden Regeln bezüglich Homeoffice, andererseits werden Empfehlungen zu Ergonomie, IT-Sicherheit und Online-Meetings besprochen.
  • Das zweite Modul richtet sich an Führungskräfte und thematisiert die besonderen Herausforderungen, die sich beim Führen von virtuellen Teams ergeben.

Im Interview erläutert Projektleiter Cyrill Locher, wie es zu diesem Projekt kam und was daraus geworden ist.

Cyrill, wie war deine Reaktion, als diese Projektanfrage eintraf?

Offen gestanden fragte ich mich zunächst schon, ob das Thema genügend hergibt für zwei Online-Trainings mit je rund 30 Minuten Bearbeitungsdauer. Als wir dann zusammen mit der Kundin das Konzept entwickelten, wurde jedoch rasch klar, dass da genügend «Fleisch am Knochen» ist.

Was war kundenseitig der Anlass für diese Initiative?

Die erste Phase der Homeoffice-Pflicht war gerade zu Ende und die Firma sah sich veranlasst – wie viele andere Organisationen auch –, eine einheitliche Regelung für das Arbeiten von zu Hause aus einzuführen. Da geht es um ganz pragmatische Dinge wie:

  • Was sind die Voraussetzungen bezüglich Infrastruktur zu Hause?
  • Wie viel Homeoffice ist möglich?
  • Beteiligt sich die Firma an den Kosten für IT-Anschaffungen?
  • Haben die Mitarbeitenden in der Firma noch einen festen Arbeitsplatz?
  • Welche Regeln bezüglich Vertraulichkeit von Informationen gelten?

Der Plan war, die Einführung des neuen Homeoffice-Reglementes mit der Lancierung des Online-Trainings zu verknüpfen.

Lässt sich das Führen von virtuellen Teams mit einem digitalen Lehrmittel trainieren?

Das Modul für Führungskräfte orientiert sich zwar teilweise auch an Empfehlungen, etwa für die Durchführung von Online-Meetings. Es ist aber vor allem ein Modul zur Selbstreflexion, bei dem sich die Zielgruppe mit verschiedenen Themen auseinandersetzt, die sich im Kontext dieser neuen Arbeitsweise ergeben. Wie kann der Teamgeist gefördert werden? Was ist bei der Kommunikation zu beachten? Wie nehme ich die Führungsrolle wahr?

Was war der mediendidaktische Ansatz?

Zwei Mitarbeitende begleiten uns durch’s Training: Der neu in die Firma eingetretene Ingenieur Marco und seine Vorgesetzte Anna. Marco arbeitet mit einem Pensum von 80 % und kümmert sich einen Tag pro Woche um die Kinder; Anna führt ein Team von acht Personen und muss sich mit den Herausforderungen auseinandersetzen, die sich ergeben, wenn das Team nur einmal pro Woche komplett vor Ort ist.

Nebst diesem Storytelling-Ansatz, der bewusst Akzente setzt mit dem teilzeit arbeitenden Vater, haben wir wie immer einen hohen Interaktionsgrad eingehalten. So gibt es im zweiten Modul verschiedene Selbsteinschätzungsphasen, wo die Anwender:innen mit Schieberegeln ihre eigenes Verhalten einschätzen und darauf ein Feedback erhalten.

Wie war der Projektablauf?

Weil das Zeitfenster bis zur Einführung des neuen Reglementes mit zwei Monaten ab Projektbeginn recht kurz war, entwickelten wir zuerst ein Inhaltskonzept, bauten dann einen Prototypen mit Articulate Storyline und realisierten anschliessend beide Module drekt im Autorentool, also ohne detaillierte Drehbuchphase.

Es war ein iterativer und agiler Prozess in enger Abstimmung mit der Kundin, der aber sehr gut funktioniert hat. Die beiden Module in zwei Sprachen konnten wie geplant ausgerollt werden.

Das Thema hat Potenzial in fast allen Firmen. Kann man dieses Online-Training wiederverwerten?

Wir haben mit der Kundin vereinbart, dass wir die beiden Module neutralisieren dürfen. Dieses «Halbfabrikat» bieten wir nun anderen Firmen und Organisationen an.

Wie gross ist der Anpassungsaufwand?

Das Modul 1 ist auf die Eigenschaften der jeweiligen kundenspezifischen Reglemente und Bedingungen anzupassen. Auch einige wenige technischen Inhalte werden von Kunde zu Kunde anders sein, beispielsweise das verwendete Tool für Online-Meetings. Insgesamt hält sich der Anpassungsaufwand aber in Grenzen. Insbesondere das zweite Modul ist sehr generisch und wird in den meisten Fällen ohne grössere Änderungen durchgehen.

Was sind deine persönlichen «Lessons Learned»?

Einerseits habe ich inhaltlich einiges gelernt, was ich auch im Führungsalltag anwenden kann. Wir gehen bewusster mit der Online-Kommunikation im virtuellen Team um und versuchen, die Tipps und Tricks aus den beiden Modulen anzuwenden. Zum anderen war es ein sehr spannendes Projekt, das trotz hohem Termindruck mit einer agilen Methodik erfolgreich abgewickelt werden konnte. Das hat unser Team super hinbekommen und die Kundin war happy.

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