Vier Tipps, wie Sie die intrinsische Motivation der Zielgruppe fördern können

Wir alle kennen es aus unserer Schulzeit: Wir sollten unbedingt auf die morgen anstehende Prüfung lernen. Aber wollten wir nicht schon lange wieder einmal das Zimmer aufräumen? Uns bei unseren Freunden melden? Sport machen? Bis wir die Lernmotivation gefunden hatten, war es oft zu spät und nicht selten straften schlechte Noten und enttäuschte Eltern fürs Prokrastinieren. Aber auch heute haben wir für viele Dinge mehr Motivation als z. B. für das Compliance-Training, das online absolviert werden muss. Aber wieso? In diesem Beitrag schauen wir genauer hin: Was ist Motivation? Und mit welchen Tricks in der Gestaltung und Aufbereitung unserer Lernprogramme beeinflussen wir die intrinsische Motivation der Benutzenden?

Autorin
Simone Pauli
Lesedauer
5 Minuten
Thema
Intrinsische Motivation

Nichts ist unmöglich – mit ausreichend Motivation

Motivation beschreibt «die Bereitschaft eines Menschen, Zeit, Energie und Arbeit zu investieren, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Wer hoch motiviert ist, strengt sich mehr an, ist andauernder, nimmt eher Schmerzen in Kauf und hält auch nach Rückschlägen an seinen Zielen fest» (Quelle).

Motivation begleitet uns in allen Lebensbereichen, auch im beruflichen Alltag. Ob wir motiviert sind, ein Online-Training zu absolvieren, hängt von vielen Faktoren ab, u. a. ob uns Lernen Spass macht, uns das Thema interessiert und welche Konsequenzen uns erwarten, wenn wir es tun respektive nicht tun.

Motivation ist vielschichtig, in der psychologischen Forschung unterscheidet man grundsätzlich zwischen «intrinsischer» und «extrinsischer» Motivation.

  • Intrinsische Motivation
    Intrinsisch motivierte Personen lernen aus Freude am Thema oder weil sie ganz einfach Freude am Lernen selbst haben. Sie setzen sich aufgrund eines inneren Anreizes mit einem Thema auseinander, das Verhalten wird um seiner selbst willen gezeigt. Die intrinsische Motivation beinhaltet Aspekte wie Neugier, Exploration, Spontanität und Interesse. Es geht unter anderem auch um das Gefühl der Wirksamkeit, aber dazu später mehr.

    Die Quellen intrinsischer Motivation sind einerseits die interne Prozessmotivation, d. h., dass ich etwas mache, weil ich den Sinn darin erkenne oder ich Freude daran habe und dabei weder unter- noch überfordert bin. Andererseits ist auch das Selbstverständnis eine Quelle der intrinsischen Motivation. Denn jeder Mensch richtet seine Handlungen an seinen Werten und Idealen aus. Das heisst, wenn ich z. B. Wert darauf lege, mich weiterzubilden und Neues zu lernen, dann handle ich entsprechend.

    Wir merken uns: Stimmen die Merkmale einer Person und ihre Aufgabe überein, so steigt ihre intrinsische Motivation.
  • Extrinsische Motivation
    Extrinsisch motivierte Personen lernen, um ein bestimmtes Ergebnis oder Ziel zu erreichen. Mittel und Zweck stimmen nicht überein, man macht etwas nicht um seiner selbst willen, sondern vielmehr, weil man belohnt bzw. bestraft wird. Belohnungen und Bestrafungen können von Drittpersonen (z. B. «Wenn du den Test nicht bestehst, musst du ein Semester wiederholen») wie auch von uns selbst ausgehen (z. B. «Ich lerne jetzt eine Stunde, dafür gönne ich mir nachher ein Glace»).

    Der Zusammenhang zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation ist wissenschaftlich nicht abschliessend erforscht. Trotzdem kann man annehmen, dass eine Mischung intrinsischer und extrinsischer Motivation langfristig besser für die Lernmotivation ist, als rein extrinsische Motivation (vgl. Krieger & Hofmann, 2018).

 

Was beeinflusst die intrinsische Motivation?

Einen wichtigen Einfluss nehmen das Kompetenz- und das Autonomieerleben sowie die soziale Eingebundenheit. Diese drei Bedürfnisse kennt man auch als die drei psychologischen Grundbedürfnisse nach Deci & Ryan (2000):

  1. Bedürfnis nach Autonomieerleben
    Wir sind motivierter, wenn wir unsere Handlungen mitbestimmen können.

  2. Bedürfnis nach Kompetenzerleben
    Wir möchten uns als kompetent wahrnehmen. Dabei spielt positive Kritik eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Aber natürlich nur dann, wenn man sich für den Erfolg auch selbst verantwortlich fühlt. Die Bedürfnisse nach Autonomie- und Kompetenzerleben hängen eng zusammen.

  3. Bedürfnis nach sozialer Eingebundenheit
    Es ist wichtig, dass wir uns sozial eingebunden fühlen. Warum? Es geht einerseits darum, dass wir uns in einer Leistungssituation sicher fühlen möchten, andererseits aber auch, von den anderen anerkannt zu werden.

Deci & Ryan gehen in ihrer Selbstbestimmungstheorie davon aus, dass die drei psychologischen Grundbedürfnisse erfüllt sein müssen, damit intrinsische Motivation überhaupt entstehen kann. Und das können wir in unseren digitalen Lernprogrammen – zumindest zu einem gewissen Teil – beeinflussen.

 

Mit diesen Tipps können Sie die intrinsische Motivation in einem digitalen Lehrmittel fördern:

1. Tipp: Autonomieerleben fördern

Das Autonomieerleben wird durch unterschiedliche Eigenschaften von E-Learning gefördert: Lernprogramme können zeit- und ortsunabhängig im eigenen Tempo absolviert werden. Eine super Ausgangslage!

Über den Aufbau der Inhalte kann das Autonomieerleben zusätzlich gestärkt werden: Mit einem adaptiven Lernweg und der Gliederung der Inhalte in Kapitel, die in beliebiger Reihenfolge absolviert werden können, bieten wir der lernenden Person einen gewissen Handlungsspielraum. Je nach Rahmenbedingungen ist das aber natürlich nicht immer im selben Ausmass möglich.

 

2. Tipp: Kompetenzerleben fördern

Das Kompetenzerleben der Zielgruppe können wir positiv beeinflussen, wenn wir sie die Erfahrung machen lassen, dass sie bestimmte Aufgaben selbst lösen können. Zudem sollen Feedbacks nicht abwertend formuliert werden. Wichtig ist auch, dass Übungen, Fragen und Aufgaben weder zu einfach noch zu schwierig sind.

Mit der Sprache auf der richtigen Flughöhe, guten und sinnvollen Fragen und konstruktivem Feedback zeigen wir den Lernenden, dass wir sie ernst nehmen und wertschätzen.

 

3. Inhaltliche Relevanz verdeutlichen

Wir legen in unseren Lernprogrammen grossen Wert darauf, den Lernenden die Relevanz des Themas zu verdeutlichen: Sei das mit Fakten und Zahlen, «Wusstest du, dass ...»-Fragen, Interaktionen oder mit einem Video. Damit kann man übrigens auch sogleich das Interesse am Thema fördern – und wenn sich herumspricht, dass das Lernprogramm Spass macht und gerne bearbeitet wurde: umso besser, das steigert dann auch die Motivation bei weiteren Personen der Zielgruppe.

Praxisbespiele verdeutlichen die Relevanz ebenfalls. Zudem zeigen sie auf, wie das Gelernte im Alltag angewendet werden kann.

 

4. Struktur schaffen

Aber auch Struktur ist wichtig: Übersichtlichkeit, Klarheit und Anschaulichkeit sind wichtige Merkmale der Qualität des zu vermittelnden Stoffs. Dafür sorgen wir mit dem Aufbau, mit der kurzen Einleitung, den Lernzielen und der Zusammenfassung.

Zudem wählen wir einen passenden Medienmix, damit unterschiedliche Sinne der lernenden Personen angesprochen werden.

 

 

Frisch gewagt ist halb gewonnen

Die Motivation ist gerade im pädagogischen Bereich von grosser Bedeutung, denn sie trägt massgeblich zum Lernerfolg bei. Im Hinblick auf die Förderung der intrinsischen Motivation achten wir darauf, dass alle von uns produzierten Trainings die psychologischen Grundbedürfnisse unserer Lernenden (so weit wie möglich) erfüllen.

Natürlich gilt es aber auch, die extrinsische Motivation nicht zu vernachlässigen. Ein Training zu absolvieren, um einen Test zu bestehen, ist oft Grund genug, die Inhalte zu bearbeiten. Nicht selten dienen solche extrinsischen Elemente als gute Katalysatoren für die intrinsische Motivation.

Mehr über die extrinsische Motivation werden wir in einem der nächsten Blogbeiträge berichten – denn auch sie ist im Lernkontext von grosser Bedeutung und kann auf ganz unterschiedliche Arten gefördert werden.

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