Schnipp, schnapp, Haare ab – Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Coiffeursalon

Mitarbeitende sind das wichtigste Gut eines jeden Unternehmens. Fallen sie unfall- oder krankheitsbedingt aus, kommt das Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber teuer zu stehen. Es gilt, Mitarbeitende so gut wie möglich zu schützen. Dazu zählt u. a. auch die Sensibilisierung für das Thema “Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz” – und hier kamen wir schon öfters ins Spiel. So auch im vergangenen Jahr, als wir gemeinsam mit dem Verband coiffureSUISSE ein Projekt zu ebendiesem Thema realisieren durften. Dabei haben auch wir (technisches) Neuland betreten. In diesem Beitrag erzählen wir mehr über das Projekt und lassen Cristina und Nicté von coiffureSUISSE zu Wort kommen.

Eine Ausschreibung? Wir sind gerne mit dabei!
Wir freuen uns immer über gute Nachrichten in unserem Outlook Posteingang. So auch im Mai 2020, als wir vom Verband coiffureSUISSE eingeladen wurden, an einer Ausschreibung zur Erstellung eines E-Learning Tools teilzunehmen. Thema: Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

Hintergrund der Anfrage ist die “EKAS Richtlinie Nr. 6508”, deren Umsetzung für alle Arbeitgeber verpflichtend ist. Sie beinhaltet unter anderem das Ziel, unfall- und krankheitsbedingte Absenzen sowie die Anzahl an Umschulungen aufgrund von Berufskrankheiten zu reduzieren. Damit die Betriebe ihren Zeitaufwand zur Umsetzung dieser Richtlinien verringern können, hat der Verband coiffureSUISSE eine Branchenlösung erarbeitet. Das in der Branchenlösung aufbereitete Wissen soll dann schliesslich zu denjenigen Coiffeursalons gelangen, die sich dazu entscheiden, sich der Branchenlösung anzuschliessen. Und was eignet sich besser, um Inhalte grossflächig attraktiv zu vermitteln, als ein E-Learning Tool?

Für die Verbreitung der Lerninhalte hat coiffureSUISSE ebenfalls nach einer geeigneten Lösung gesucht. Unsere Technologie der Wahl: die Open-Source-Lernplattform Moodle.

Also haben wir uns daran gemacht, ein Angebot für das entsprechende Szenario auszuarbeiten. Wie immer haben wir uns dabei an dem unserer Bedarfsermittlung zugrunde liegenden Berner Modell orientiert.

Cristina und Nicté, wir haben uns sehr über eure Anfrage gefreut! Aber wie seid ihr überhaupt auf HK learning (mittlerweile: Somedia Learning) gestossen? Und wie konnte euch das Angebot von HK learning überzeugen?
Wir haben im Internet nach Anbietern gesucht, die E-Learning Plattformen umsetzen und sind so schnell auf HK learning gestossen. Ausschlaggebend war vor allem die Offenheit von Seiten HK learning, ein auf die Bedürfnisse von coiffureSUISSE massgeschneidertes Angebot zu erarbeiten. Die Mitarbeitenden von HK learning konnten mit ihrem Know-how und Kompetenzen im methodisch-didaktischen sowie technischen Bereich vollends überzeugen.

Die Qual der Wahl und der Entscheid für H5P
Als Verbreitungskanal der Lerninhalte stand die Open-Source-Lernplattform Moodle von Beginn an fest.
Offen war hingegen, in welchem Format die Inhalte aufbereitet werden sollten. Der Verband coiffureSUISSE interessierte sich für eine Lösung, die es ermöglicht, die Inhalte direkt auf der Lernplattform zu erstellen. Sie wollten darauf verzichten, die Lerninhalte mit externen E-Learning Autorentools wie z. B. Articulate Rise oder Articulate Storyline zu produzieren und in einem zweiten Schritt in die Lernplattform zu integrieren.

Bei der Evaluation des geeigneten Moodle-Plugins hat die kostenlose und quelloffene Lösung H5P überzeugt:

  • Es lassen sich relativ einfach interaktive Lerninhalte erstellen.
  • Der mit H5P kreierte Content ist responsive (d. h. für alle Zielgeräte geeignet).
  • Es besteht die Möglichkeit, mit Flashcards, Hotspot-Bildern und Drag-and-Drop-Interaktionen zu arbeiten. Auch Akkordeons, Multiple Choice Fragen, Lückentexte oder komplexe Szenarien mit Verzweigungen lassen sich mit H5P erstellen.

H5P bietet noch viel mehr Umsetzungsvarianten: Von Memory Spielen über interaktive Videos und Präsentationen bis hin zu virtuellen 360° Touren – das haben wir für dieses Projekt aber nicht benötigt.

 

Wie jedes Tool hat aber auch H5P einige Nachteile. So ist z. B. das Design der Interaktionen relativ strikt vorgegeben und kann nur marginal an die eigenen Gestaltungsrichtlinien angepasst werden. Es können zwar die Akzentfarben der Interaktionen – beispielsweise die Farbe der Buttons bei den Hotspot-Grafiken – gewählt werden. Wie das H5P Element schlussendlich aussieht, ist aber bereits zum vornherein festgelegt.

Was hat euch dazu bewogen, die Lerninhalte direkt auf der Lernplattform einbinden zu wollen?
Wir wollten die Plattform so einfach wie möglich gestalten und es war uns wichtig, dass der gesamte Content responsive ist.

Welches sind eure Lieblings-H5P-Interaktionen?
Vor allem die Drag-and-Drop Interaktionen sowie Infografiken sind bei uns sehr beliebt. Allgemein lässt sich sagen, dass die Interaktionen während unserer Testphase sehr gut angekommen sind! Interaktionen sind uns sehr wichtig, da wir der festen Überzeugung sind, dass der Lernfortschritt damit grösser wird. Dennoch ist darauf zu achten, dass es eine gute Abwechslung zwischen Interaktionen und Inhalten in Form von Text innerhalb der Module gibt, was HK learning unserer Meinung nach sehr gut umgesetzt hat.

Learning Nuggets: In 10 Modulen zum Ziel
Wie bei jedem Projekt, haben wir auch bei diesem zuerst die Lerninhalte und deren Aufbau bestimmt. In einem gemeinsamen Workshop mit coiffureSUISSE haben wir die Ziele definiert und daraus die Lerninhalte abgeleitet. Um das Thema “Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Coiffeursalon” von jeder Seite angemessen zu beleuchten, braucht es einiges an Lerninhalt. Damit der User, wenn er den Kursraum zum ersten Mal betritt, diesen nicht gleich wieder verlassen möchte, haben wir auf “Learning Nuggets” gesetzt. So entstanden 10 Module zum Thema “Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz im Coiffeursalon” – jedes einzelne Modul beleuchtet das Thema von einer Seite, die im Coiffeurberuf wichtig ist.

 

Die Umsetzung der Inhalte
Nachdem das Gerüst stand, ging es an die Umsetzung der einzelnen Module. Um den Coiffeuren und Coiffeusen zu vermitteln, welche Gefahren ihr Beruf birgt und worauf sie deshalb in ihrem Arbeitsalltag besonders Acht geben müssen, haben wir die einzelnen Module folgendermassen strukturiert:

  1. Lernziele: Was muss der User nach dem Absolvieren dieses Moduls wissen?
  2. Theorie: Aufbereitung der Inhalte zur Erreichung der Lernziele.
  3. Übung: Kurze Übung zum vermittelten Inhalt.
  4. Das Wichtigste in Kürze: Die wichtigsten Punkte nochmals im Überblick.
  5. Hilfsmittel: Hier findet der User weiterführende Informationen und Dokumentvorlagen.
 

Nachdem der User alle Module absolviert hat, muss er einen Abschlusstest lösen. Wenn er den Test besteht, erhält er direkt im Kursraum ein Zertifikat, das er ausdrucken und an die verantwortlichen Personen in seinem Unternehmen weiterleiten kann.

Was gefällt euch besonders an der Umsetzung der Lerninhalte?
Wir sind mit der Strukturierung der Inhalte sehr zufrieden. Die KursteilnehmerInnen können selbst entscheiden, welches Modul sie zuerst bearbeiten wollen und haben dadurch auch die Möglichkeit, beispielsweise während einer Pause ein kleineres Modul zu absolvieren. Andererseits sind die Lerninhalte sehr informationsreich, weshalb es umso wichtiger war, die Texte mit Bildern, Videos und Interaktionen zu verbinden.

Habt ihr bereits Feedback zum E-Learning Tool erhalten? Falls ja, wie ist dieses ausgefallen?
Die offizielle Lancierung des E-Learning Tools fand im März 2021 statt. Bis jetzt erhielten wir nur positive Rückmeldungen und hoffen natürlich, dass dies auch so bleiben wird.

Wie sag ich’s meinem Kinde? Oder auch: So geht Marketing!
Der Verband coiffureSUISSE hat die Branchenlösung erarbeitet. Wie gelangt die Information, dass eine neue, attraktive Lösung verfügbar ist, an sämtliche Salons der Schweiz? Dazu durften wir ein Video erstellen, das die wichtigsten Infos enthält:

https://www.youtube.com/watch?v=IdyE5xRRmbs

Eintauchen in eine neue Welt
Ein halbes Jahr später und an Wissen (vor allem auch bzgl. den Sicherheits- und Gesundheitsgefahren in einem Coiffeursalon) reicher, ist es Zeit, Bilanz zu ziehen und auch bei unserem Auftraggeber nachzufragen, wie ihm das Endresultat gefällt und wie er die Zusammenarbeit mit uns erlebt hat.

Was gefällt euch besonders an diesem Projekt?
Wir sind sehr zufrieden mit dem gesamten Projekt. Besonders gefallen uns die einfache Handhabung des Tools sowie die abwechslungsreiche Umsetzung der Lerninhalte.

Was habt ihr an der Zusammenarbeit mit HK learning geschätzt?
Es gab nie ein „Nein, das kann man so nicht umsetzen“, vielmehr wurde immer nach einer passenden Lösung gesucht, was wir sehr geschätzt haben. Zudem war die Erarbeitung der Lerninhalte hervorragend.

Was nehmt ihr aus dem Projekt für die Zukunft mit?
Wir haben viel über die Open Source learning Plattform (Moodle) und über individuelles Lernen mit digitalen Medien gelernt. Das wird uns für zukünftige Projekte sehr hilfreich sein!

Könnt ihr euch vorstellen, auch in anderen Bildungsszenarien auf E-Learning zu setzen?
Ja, natürlich. Mit diesem Projekt konnten wir vorerst mal die Rahmenbedingungen für nachhaltige, digitale Bildung schaffen und darüber hinaus allen Coiffeursalons einen – auch in wirtschaftlich und gesellschaftlich schwierigen Zeiten – jederzeit verfügbaren Zugang zu Bildung ermöglichen.

Auch für uns war die Zusammenarbeit ein Erfolg. Und uns wird das Projekt bei meinen Coiffeurbesuchen gedanklich noch lange begleiten. Denn ich muss schon zugeben: Seit dem Projekt mit dem Verband coiffureSUISSE achte ich bei meinen Coiffeurbesuchen auf ganz andere Dinge als zuvor. Z. B. auf die Körperhaltung der Coiffeure und Coiffeusen oder auch darauf, wann sie Schutzhandschuhe tragen und wann nicht.

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