WebApp «CondAct» – Mit Sicherheit mehr Spass

Es war ein heisser Tag im August 2020, als sich das Projektteam rund um die Stiftung IdéeSport, triarc und Somedia Learning – damals noch unter dem Namen HK learning unterwegs – das erste Mal traf. Speziell: Das Treffen war vor Ort, denn Corona gönnte uns zu dieser Zeit eine kurze Verschnaufpause. Voller Elan, Ideen und Motivation starteten wir in die Entwicklung einer App, die Coaches und Projektleitende zum Verhaltenskodex der Stiftung informiert. Was es mit der Stiftung, der App und dem Verhaltenskodex auf sich hat, welche Hürden es zu nehmen galt und wer «Baski» ist, erzählt euch das Projektteam von IdéeSport und Somedia Learning in diesem Beitrag.

Dana, erzähl uns doch zuerst etwas über die Stiftung IdéeSport: Wer seid ihr und was macht ihr?

Dana: Wir engagieren uns seit 1999 im Bereich der Kinder- und Jugendförderung in der Schweiz und nutzen Sport als Mittel der Suchtprävention, der Gesundheitsförderung und der gesellschaftlichen Integration. Wir öffnen Sporthallen an den Wochenenden und schaffen Räume, in denen Kinder und Jugendliche ihren Bedürfnissen nach Bewegung und Gemeinschaft nachgehen können.

Kernelement aller unserer Programme ist die spezifische Förderung von Jugendlichen. Sie übernehmen als Coachs in der Sporthalle Verantwortung, organisieren und gestalten die vielseitigen Aktivitäten und stellen einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sicher. Mit Aus- und Weiterbildungskursen bereiten wir die Jugendlichen auf ihre Aufgabe vor und helfen ihnen sich weiterzuentwickeln.

 

Was hat es mit dem Projekt «CondAct» auf sich?

Dana: Die App CondAct ist ein Teil eines umfangreichen Konzepts. Seit 2019 ist die Stiftung IdéeSport dabei, ein ganzheitliches Kindesschutzkonzept zu erarbeiten und zu implementieren. Ziel ist es, sämtliche Mitarbeitende für das Thema Kindesschutz zu sensibilisieren und so unsere Sporthallen zu einem noch sichereren Ort zu machen. Dabei spielt die App eine zentrale Rolle, um die Zielgruppen Jugendliche und junge Erwachsene zu erreichen. Zum Abholen der entsprechenden Bedürfnisse abzuholen, wurde der ganze Prozess partizipativ mit den Jugendlichen gestaltet.

 

Wer nutzt die App?

Dana: Primär wird die App von unseren Hallenteams genutzt. Dies sind junge erwachsene Projektleitende und jugendliche Coachs. Die App steht jedoch allen Personen gratis zu Verfügung (im App Store/ Play Store).

 

Wieso wolltet ihr den Verhaltenskodex als App umsetzen?

Dana: Dies wurde von unseren Hallenteams so gewünscht. Wir haben im Sommer 2020 eine grosse Umfrage gemacht, in welcher die Jugendlichen Coachs gefragt wurden, wie sie gut und gerne lernen. Das Ergebnis zeigte eindeutig, dass sie sich eine App wünschen. Ebenfalls sehr hoch bewertet war das Lernen mit Videos, daher ist die App nun die ideale Kombination dieser beiden Medien.

 

Was war euch bei der Umsetzung wichtig?

Dana: Die Stiftung befindet sich seit Sommer 2019 im Transformationsprozess zu einer agilen Organisation, auf Grund dessen werden auch solche Projektarbeiten mit agilen Arbeitsweisen angegangen. Für uns war es entsprechend wichtig, dass unsere Partner*innen diese Arbeitsweise ebenfalls mittragen und eine gewisse Flexibilität zeigen. Weiter war uns die partizipative Zusammenarbeit mit den Hallenteams sehr wichtig.

 

Hattet ihr bereits Erfahrung mit der Entwicklung einer App? Was waren die grössten Herausforderungen?

Dana: Nein, dies war für uns komplettes Neuland, weshalb auch von Beginn an klar war, dass wir Unterstützung von Profis brauchen. Das schwierigste für uns war in einem ersten Schritt sicherlich den passenden Anbieter zu finden. Anschliessend war sicher die Koordination aller Belange die grösste Herausforderung. Da wir das Projekt nebst unserem Alltagsgeschäft realisieren, war es zeitweise schwierig, mit der Power von Somedia Learning und triarc mitzuziehen.

Simone: Wir haben für Swiss Olympic die App «Cool & Clean» mitentwickelt und konnten dort schon einige Erfahrungen sammeln. Speziell an diesem Projekt war das Thema. Wir haben uns viele Gedanken gemacht, wie es auf einfache, praxisorientierte, moderne, jugendliche Weise an die Zielgruppe gelangen kann. Es galt zudem bei allen Überlegungen den Spassfaktor mit einzubeziehen, Gamification war ein grosses Thema.

 

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Somedia Learning?

Dana: Im Sommer 2020 wurden unterschiedlichste Anbieter*innen aus dem E-Learning-Bereich geprüft und kontaktiert. Das umfassende Angebot von Somedia Learning machte auf uns einen super Eindruck. Preis und Leistung stimmten für uns und es wurde ein hohes Mass an Professionalität an den Tag gelegt. Bereits in der Phase der Offerte und der anschliessenden Vertragserstellung konnte Somedia Learning uns als Arbeitsgruppe ein so greifbares Bild der App skizzieren, dass wir diese unbedingt umgesetzt haben wollten. Für uns war es definitiv die richtige Entscheidung, den Auftrag Somedia Learning zu geben.

 

Wie ist die App aufgebaut?

Simone: Nach der Registrierung gelangt man auf sein persönliches Profil. Dort lassen sich Projekt und Funktion wählen und der gewünschte Avatar wähle. Zentral ist der Begleitfreund: Wer soll einem mit Rat und Tat zur Seite stehen – Baski, Pong, Bocki oder Ringo?

Im Userprofil ist auch sichtbar, welche Sammelkarten man sich bereits erspielt hat. Dann geht’s los.

Auf der Themenübersicht gilt es zuerst ein Video über den Verhaltenskodex zu schauen. Im Video werden die Inhalte des Kodex thematisiert sowie eine Einführung in die App gegeben. Anschliessend kann sich der User auf der Übersicht mit neun Risikosituationen vertraut machen. Risikosituationen sind Situationen, in denen es schnell zu (unbeabsichtigten) Übergriffen kommen kann und die es zu vermeiden respektive in denen es richtig zu reagieren gilt.

Der Aufbau der Risikosituationen ist überall gleich: Zu Beginn erhält man Informationen in einem Video. Anschliessend werden drei Situationen präsentiert, sog. Challenges. In jeder muss man zwischen zwei Verhaltensweisen die korrekte wählen:

Hat man die Challenge richtig gelöst, gibt es einen Punkt. Ansonsten hat man die Möglichkeit, die Challenge später nochmals zu lösen. Nicht nur die Challenges gilt es zu lösen, man kann sich Sammelkarten mit Gadgets für seinen Begleitfreund erspielen: z. B. eine Trinkflasche oder eine Sonnenbrille. Der Begleitfreund steht den Jugendlichen mit Rat zur Seite und taucht während der Challenges immer mal wieder mit guten Tipps auf.

Challenges, die falsch gelöst werden, können im Challenge-Pool wiederholt werden – so lange, bis sich die Jugendlichen für ihren Projektalltag gewappnet fühlen.

Auch Meldestellen werden in der App thematisiert. Die Jugendlichen sollen wissen, an wen sie sich bei Fragen wenden können.

 

Wie seid ihr bei der Erarbeitung vorgegangen?

Simone: Bei uns waren Livia, Simon und ich im Boot. Simon hat sich vor allem um die Videos gekümmert, Livia um die visuelle Gestaltung und ich mich um die Inhalte. Für die Erstellung der Inhalte haben wir mit dem Projektteam von IdéeSport und einer Fachperson von Limita (einer Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung) zusammengearbeitet. Es ist nämlich gar nicht so einfach, Risikosituationen zu finden die a) im Projektalltag vorkommen können, b) nicht zu offensichtlich richtig/falsch sind, aber c) dennoch eine eindeutige Antwort haben und nicht in den Graubereich fallen! Parallel zu den Inhalten hat Livia am Design der App und den Mockups gearbeitet. Vor allem zu Beginn des Projekts hatten wir viele Kreativ-Meetings im Projektteam und standen stets mit dem Entwicklerteam von triarc im Austausch. Ein Highlight war die Erstellung von passendem Bild- und Videomaterial. Wir durften einen Samstag zu Gast in einer Turnhalle sein und Coachs und Teilnehmende in Szene setzen.

Dana: Bei der Erarbeitung des Verhaltenskodex hatten wir viel Unterstützung von Silvan Steiner von der Fachstelle Limita. Er brachte viel Know-how mit und konnte uns beim Herausarbeiten der einzelnen Risikosituationen und dem Verfassen des Kodex grossartig unterstützen. Im Vorfeld der eigentlichen Textarbeit haben wir die Arbeit der Stiftung IdéeSport gründlich nach möglichen Risikofaktoren «gescreent» und diese anschliessend anhand unterschiedlicher Kriterien priorisiert, sodass sich neun Hauptrisikosituationen ergeben haben. Somedia Learning hat anschliessend die Texte in eine jugendgerechte Sprache übersetzt.

 

Woher kommt der Name «CondAct»?

Dana: Als es um die Namensauswahl ging, haben wir stiftungsintern einen Aufruf gemacht, dass Namensvorschläge eingereicht werden können. Anschliessend gab es ein Voting. Der Name CondAct passt vom Aufbau in das CI/CD der Stiftung, fast all unsere Namen bestehen aus zwei englischen Namen, welche aneinander geschrieben sind. Der Name CondAct ist ein Wortspiel in Anlehnung an «code of conduct» (Verhaltenskodex) und act (verhalten).

 

Was war für euch das spannendste/überraschendste/schönste bei diesem Projekt?

Dana: Die Power, welche in dem Projekt steckt. Sämtliche Beteiligten gaben von Beginn an 100 % und zeigten durch ihr Verhalten, wie sehr sie hinter dem Projekt stehen. Dies hat uns als Arbeitsgruppe immer sehr gefreut und motiviert weiterzumachen.

 

Wie kommt die App bei den Jugendlichen an? Welches Feedback hat euch am meisten gefreut?

Dana: Das Feedback war grundsätzlich sehr positiv. Die Jugendlichen fanden den Aufbau der App logisch und verständlich. Besonders gefreut hat uns, dass sich die Jugendlichen wirklich mit der Thematik auseinandergesetzt haben und sich teilweise sogar noch schwierigere Fragen wünschen, damit sie mehr gefordert sind. Dies zeigt uns, dass auch sie das Thema ernst nehmen und gerne lernen.

 

Wie geht’s weiter?

Dana: Aktuell befindet sich die App in der zweiten Überarbeitungsrunde. Nachdem im Frühjahr das erste gesammelte Feedback in die App implementiert wurde, wurde die App erneut auf Herz und Nieren getestet und die entsprechenden Rückmeldungen wurden gesammelt. Das Ziel ist es, dass die überarbeitete App zum Saisonstart (Oktober 21) bereit ist und in die dritte Testphase starten kann. Im Verlauf des Jahres 2022 wird die App dann auf Italienisch und Französisch übersetzt, damit all unsere Standorte davon profitieren können. Gleichzeitig beschäftigt uns das Thema Kindesschutz auch auf anderen Ebenen und wir prüfen, ob, wie und wo, die Verankerung der Thematik sinnvoll ist (z. B. im Kurswesen).

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